Allerlei ...
KANADA | ALASKA – August / September 2010:
Eine Reise, die der Wildnis gewidmet ist - Yukon, Wälder, Weite, die Mächtigkeit der Wildnis spüren, ein Fluß, der den Highway unpassierbar macht, der uns in einem Goldgräberstädtchen mit drei Häusern warten lässt und als Geschenk die Bekanntschaft mit einer Künstlerauswandererfamilie aus Sachsen bereithält - die Waldbrände, die den nächsten Highway unpassierbar machen, Feuer, die es braucht, um den borealen Wald zu erneuern, Hitze, damit die Samen aufspringen, Brände, die es braucht, um den Ozongehalt der Atmosphäre und unser Überleben zu sichern.


Alaska, Schwarzbären und Grizzlys, den Bären beim Lachsefischen zusehen, eine Bärenmutter, die ihrem Kind das Fischen beibringt, die Wölfe um mich wissen, mich in die Raben verlieben, Adler, Delphine und vom Strand aus den Walen zusehen - es galt anzuerkennen, dass ich die Erfahrungen, die Wildnis erfordert, nicht habe, dass ich eine Frau der bayrischen Mildnis bin und nicht der Wildnis - diese Skills fehlen mir, ich glaube, es ist nicht möglich, sie in der Tiefe zu erlernen, wenn sie nicht mit uns mitgewachsen sind - wir haben andere Skills, die ich von Kanada aus betrachtet recht skurril finde.


Ich bin fasziniert von der Kunst der First Nations, der Haida, Tlingit, Gitxsan - Masken, Bilder, Tanz, Schnitzereien - Vancouver gefällt mir, weil es mich sehen lässt wie unterschiedlichste Nationen mühelos miteinander leben - so geht es also - Kanada verkauft die Wälder an die USA, es wird gefällt, Umwelt zerstört, Grassamen gestreut, damit es grün wirkt und nicht so schnell gesehen wird, stehengelassene Bäume seitlich der Straße, man könnte meinen, man fährt im Wald, dahinter Kahlschlag - ich werde meiner Druckerei davon erzählen, zertifiziertes Papier mit nachhaltiger Forstwirtschaft könnten sie weit mehr in Umlauf bringen - je höher ich in den Norden komme, desto mehr jubelt mein Herz, warum nicht zum Eismeer fahren ...
KOREA – Juni 2010:
eine Reise ins Schamaninhaus zu Kim Keum Hwa - hier finde ich sie, die Meisterinnen der Performance - der koreanische Schamanismus ist ein weiblicher Schamanismus, die Schamaninmutter gibt ihr Wissen an ihre Schamanintochter weiter - alle sind sie Musikerin, Tänzerin, Dichterin, Sängerin und vieles mehr zugleich - die Fülle ist hier zu Hause, meterlange Altäre, Farbenpracht, alle Künste zelebriert, Gewandungen, Kostbares, Geldfluß


Ich fühle mich beheimatet, obwohl es so fremd scheint - ich sehe die tanzenden Schamaninnen, ihr Arbeiten mit den Schwertern und Messern, die Clownin, ich beschäftige mich mit Dae Shin Halmoni, dem Großmuttergeist und einem Child Spirit - irgendwann trommle ich und tanze - es gibt auch den kritischen Blick, der fragt, ob wirklich alles so viel kosten muss, ob Initiationen in einem Tag zu machen sind und dann wirklich ein Schamane rauskommt, ob es Sinn macht, sich in eine Traditionslinie zu stellen, die uns so wenig vertraut ist - viele Fragen, ein paar Antworten - ich bleibe dabei, wenn ich meine, eine Schnecke zu sehen, dann sage ich das und lasse mich nicht dazu hinreissen zu behaupten, ich sähe einen Tiger - ich klopfe die Sehnsüchte ab, die Sehnsucht nach Heilung und die Sehnsucht gesehen zu werden, initiiert zu werden, denn das sind zwei große Fallen, in die ich etliche tappen sehe - mich selber überprüfe ich da natürlich auch, so nach dem Motto, wie oft will ich mir noch von Indigenen, von Schamaninnen sagen lassen, was ich kann, um ganz bei mir anzukommen und meinen Weg zu gehen - Korea, eine eigenartige Medizin der Fülle, der Klarheit, des Schrägen ...




